Ein gutes Team kam zusammen

Der Sommer kommt – wir räumten auf!

Diesem Aufruf folgten Lilo, Rosi, Robert, Nora und Betty. Alle suchten sich einen Teil der Aufgaben aus und fingen ohne zu zögern an.P1140778 web

Betty schnappte sich Pinsel und Farbe und strich unsere alte Holzleiter in Schwarz. Diese Leiter wird eine Rolle spielen in unserem neuen Schauspiel-Projekt „Fräulein Julie“. Sie hat den Anstrich wirklich nötig gehabt und ist gewandelt in ein attraktives Requisit.

Standesgemäß wurde die Leiter natürlich im „Schwarzen Raum“ gestrichen – sozusagen am Ort des Geschehens.

Es hat so viel Freude gemacht, wie wir alle auf- und umgeräumt haben, damit das Feng Shui im Pavillon wieder besser fließen kann. Die Kästen in der Werkstatt wurden von Lilo und RP1140786 web1osi ausgeräumt und gleich mit den neuen rollbaren Schränken, welche wir vom Lager geholt haben, geputzt. Dann wurden Sie frisch sortiert wieder eingeräumt und die Optik ist im Übungsraum dadurch viel ruhiger geworden.

Zwei davon kamen in den Übungsraum und schluckten das ganze Geschirr, die Gläser etc.

Ein Imbiss steht immer bereit und lädt zu Gesprächen zwischendurch ein.

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Überall wurden Dinge verfeinert, sei es, dass die Putzgeräte in der Kammer eine Wandhalterung bekamen, oder die vielen Seile, welche wir zu Begrenzung des Bühnenraums benötigen, eine Aufhängung  erhielten. Lilo bohrte wacker was die Maschine hergab und alles hat nun Hand und Fuß. Robert entwickelte sich regelrecht zum Fleckenprofessor und machte vieles „Unsichtbar“. Mit viel körperlichem Einsatz schrubbte er die Flecken mit den richtigen Mitteln einfach weg.

Draußen vor der Tür

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Nora kam mit einer ganzen Ladung an Pflanzen und Stauden und werkelte fleißig draußen am Eingang. Was ein freundlicher Anblick und für eine Pracht, wenn wir jetzt auf unseren Eingang zu gehen. Sie hat uns die ganze Bepflanzung gespendet.
Wolfgang sorgte auch an dieser stelle für Licht und zwickte mit einer speziellen, langen Astschere herunterhängende Zweige ab. Nun bekommt die neue Bepflanzung auch reichlich Sonne ab.

 Dank euch allen für eure Auszeit.
An dieser Stele möchten wir, Wolfgang und ich, all den guten Geistern herzlich danken. Eure Handreichungen bedeuten uns viel im Hinblick auf gemeinsamen weiteren Aufbau des TheaterLabors TraumGesicht in Düsseldorf.
Was ein wunderbarer Vormittag.  Wenn wir heute die Räume betreten fühlen wir uns genauso willkommen wir der schöpferische Geist, der unsere Arbeit durchwirkt.

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Für das nächste Aufräumen ist, trotz des Einsatzes, noch was übrig geblieben:

  • Bilder in den Rahmen begradigen
  • Spiegel mit Dübeln aufhängen
  • Kostümfundus ordnen und aussortieren
  • Rund ums Haus herum Stöbern und Saubermachen

Wenn du eigene Vorschläge zur Verschönerung parat hast, lass sie uns wissen. Sie sind willkommen.

Lieber Gruß
Gianni + Wolfgang

Mein erstes Kennenlernen des „Theaterlabors“

Hallo! Ich möchte mich mit diesem Blogeintrag kurz vorstellen… Mein Name ist Henrike, ich bin 23 Jahre alt und studiere in Kleve den Studiengang „Gender and Diversity“. Da ich überlegt habe, im Anschluss daran in den journalistischen Bereich zu gehen, habe ich nach einer interessanten Möglichkeit gesucht, mich im Schreiben zu üben. Im Internet bin ich auf das „TheaterLabor TraumGesicht“ gestoßen und habe mich gleich gemeldet.
Daraufhin kam in der letzten Woche am Montag dann ein sehr interessantes Treffen mit Gianni und Wolfgang im Pavillon der Lacombletschule zustande. Die beiden haben mich sehr freundlich empfangen und sich viel Zeit genommen, in der ich viel über ihre Arbeit und die Techniken erfahren habe, die im Schauspielunterricht genutzt werden. Für mich war die kurze Stunde im Pavillon schon spannend, weil ich vor allem den Eindruck bekommen habe, dass im TheaterLabor TraumGesicht sehr tiefgreifend und mit vielfältigen Methoden gearbeitet wird.

Schauspiel kenne ich bisher vor allem aus meiner eigenen Musical-Erfahrung in einer Musikschule. Dort lag der Fokus natürlich sehr auf dem Stück und das Schauspiel selbst ist ein wenig in den Hintergrund getreten. Deshalb fand ich spannend zu erfahren, wie Gianni und Wolfgang die Brücke zwischen Selbsterfahrung und kreativer Theaterarbeit schlagen. Dadurch ist das Schauspiel umfassender und profunder, als ich es kennengelernt habe und auch persönliche Prozesse werden dabei angestoßen.
Ich habe auch das erste Mal von der Methode des „Slow Acting“ gehört und einer sich bewussten und konzentrierten Herangehensweise an Schauspiel. Das und die verschiedenen Einflüsse und Techniken unter anderem aus Schamanismus und Zen fand ich sehr besonders und eindrucksvoll, es hat mich neugierig gemacht, vielleicht auch mal „live“ dabei zu sein. Neben dem Input, den ich über die Theaterwelt und das TheaterLabor TraumGesicht bekommen habe, gab es auch viele Vorschläge dazu, wie ich ehrenamtlich „redaktionell“ etwas beisteuern könnte.
Wolfgang und Gianni waren offen für meine Interessen und Ideen, haben mir Vorschläge gemacht, aber waren nicht auf etwas Bestimmtes festgelegt. Unter anderem war auch die Idee da, den Schauspielunterricht oder gelegentliche Veranstaltungen zu begleiten und darüber zu schreiben. Bald gibt es hoffentlich eine erste Gelegenheit dazu, um auch die anderen Menschen im Verein zu treffen. Ich freue mich in jedem Fall, mir das, was ich in dem Gespräch mitbekommen und in den tollen Bilderkatalogen gesehen habe, selbst zu erleben und hoffe bald den ein oder anderen Blogeintrag beizusteuern.

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Beschäftigung mit dem Text

(M)eine Geschichte zu Penthesilia von Heinrich von Kleist.

Eigentlich mag ich die Geschichte der Amazonenkönigin, ich habe mehrere Romane darüber gelesen. Als wir die Wahl hatten, habe ich mich gerne für den „schwereren“ Text entschieden. Es geht auch gut voran, den Text über die Atmung und mit den Satzzeichen zu gliedern. Es machte Spaß sich den Sinn zu erarbeiten. Jetzt bin ich wieder an dem Punkt an dem ich den Text lerne und ich suche immer noch nach einer Methode. Penthesilea

Da ich mich neuerdings auch mit Sketchnotes, dem Zeichnen von Vorträgen beschäftige, hatte ich die Idee den Text  zu zeichnen. So kann ich beides üben und daran lernen. Das Ergebnis ist tatsächlich eine kleine gemalte Geschichte geworden. Auf mehrfachen Wunsch lasse ich Euch gerne daran teilhaben. Viel Spass.

 

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Schauspielen hat eine Jahrtausend alte Tradition

Aus seinen kultischen und rituellen Ursprüngen schöpfen wir im TheaterLabor TraumGesicht e.V. und entwickeln seit Jahrzehnten einen besonderen, meditativen Spielstil. Er integriert Methoden im Stile des Zen und des Schamanismus, aus dem Psychodrama und der Gestaltpsychologie, aus initiatischer Tradition und Theateranthropologie und aus klassischer Schauspielausbildung.

Aus bewusst gestalteter Langsamkeit entwickeln sich unkonventionelle Interaktionen. Sie lassen vor allem das innere, seelische Leben der Figuren prägnant erscheinen.

„Was du gestaltest im Rollenspiel, gestaltet auch dich“, erklärt Wolfgang Keuter. „Damit diese wunderbaren Vorgänge möglich werden bekommt und gibt jeder Spieler Rückmeldung zur Schärfung der Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung. Das fördert seine soziale Kompetenz weil er lernt sich selbst mit seinen Stärken und Schwächen ernst zu nehmen. Erst daraus erwächst nämlich das Selbstwerterleben, das für alle kreativen und spielerischen Lösungen, im Spielraum wie im beruflichen Alltag, zur tragenden Basis wird.“

Wo sonst gibt es so viele Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in unterschiedlichsten Bereichen wie im Schauspiel, als Weg verstanden.

Text von Wolfgang Keuter

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, dem bieten wir einen Workshop Einführung ins Ritualisierte TheaterspielenEinfach hier klicken.

Spaß mit der Stimme

Es ist eine so sympathische Rückmeldung auf unseren Schauspielunterricht eingegangen, dass ich nicht anders kann, als Sie hier zu veröffentlichen:

„Lieber Wolfgang, lieber Gianni,

Ich hatte gestern eine Veranstaltung, bei der ich vor 60 Leuten herumturnen musste. Es galt, sie in Stimmung zu bringen und bei Laune zu halten, mit eigenem Vortrag, durch die Moderation der anderen Vorträge und schließlich durch die Moderation einer 6-köpfigen Expertenrunde. Das ist aufregend und ich habe mich auch sehr gut vorbereitet. Zu der Aufregung kam aber eine ganze Menge Lust, das zu machen und es hat auch wunderbar geklappt. Ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt und auch sehr lebendig. Es macht dabei auch Spaß mit der Stimme zu variieren und auch mal zu ganz nach oben zu gehen, wenn jemand nervt. Ich brauche ja nicht ausdrücklich zu sagen, dass das ganz viel mit der Zeit bei euch zu tun hat. Dafür nochmal ein Dankeschön an euch beide!“ B.K.

Maskenbau + Maskenspiel

Wieder war, beim Wochenend-Workshop im Juni, das Unbewusste aller Beteiligten schöpferisch aktiviert. Das wurde mit offenen Sinnen begrüßt. Störungen durften sein. Sie wurden angenommen, konnten verwandelt und zum Teil integriert werden. Das hat mich besonders gefreut und dankbar gestimmt.

In eine selbsthergestellte Maske, wenn sie sich wie bei uns in kontemplativer Haltung entwickelt, findet Archetypisches ein hervorragendes Medium um Gestalt anzunehmen und anschaulich zu werden. Das Archetypische ist die Hintergrundwelt des Lebens. Archetypen (C.G. Jung) nehmen Einfluss auch auf unser persönliches Leben. Mehr als uns bewusst ist.

In der Maske bekommt der, uns meistens unbewusst dirigierende Archetyp Antlitz.

In Maskenbau + Maskenspiel, eine Variante von Schauspiel als Weg, erhalten wir die große Chance mit dem, uns dirigierenden Archetyp in einen Dialog zukommen. Dadurch erweitert sich die persönliche Biografie zum individuellen Mythos hin. Das bedeutet, dass wir mit den transpersonalen Kräften und Mächten in unserer Tiefe in schöpferischer Weise eine persönliche Beziehung aufbauen. Unfassliche Begebenheiten, Befindlichkeiten, Konflikte und notwendige Entscheidungen können, mit Hilfe des Mediums Maske, gleichsam von einer höheren Warte aus, mit Abstand vom rationalen Ich, sinngebend und wegweisend erfahren und verwandelt werden.

 

Die Maskenspiele hatten wieder kultischen, initiatischen und psychodramatischen Charakter. Vor allem der intensive Umgang mit der Basisatmung und obertongesättigter Stimme, mit den ritualisierten Hand- und Leibgebärden führten zu Wahrnehmungen nicht alltäglicher Art und Weise. Die wunderbare Mischung von künstlicher Gestaltung und Selbsterfahrung gab auch diesmal wieder eine uns alle tragende und führende Basis. Und die tiefauslotenden Assoziationen und Gespräche waren von jener Qualität die das Bewusstsein erweitert.

Also, alles in allem Grund genug die Weiterbildung in Maskenspiel + Maskenbau fortzusetzen. Diesen Wunsch hatten alle an diesem Projekt Beteiligten.

  

Blogbeiträge zu den Maskenworkshops

Termine

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst eine Maske zu gestalten, ist herzlich eingeladen an einem Maskenworkshop teilzunehmen. Alles Informative und viele Maskenfotos sind auf unserer Website.

Bis bald.

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Handgebärden 2

Das Wort Gebärde ist reich an Bedeutungen und fast alles menschliche Handeln verwirklicht sich durch die Hand. Sogar das geistige Handeln!

Jaspers nannte die Hand, das Gehirn außerhalb des Körpers. Wir haben es vergessen: in der Frühzeit unseres Lebens begreifen und erfassen wir mit den Händen, später mit dem Kopf. Erst die Fähigkeiten der Hände aktivierten menschheits-geschichtlich die Entwicklung hoher Intelligenz. In Handgebärden drückt sich das schöpferische Denken aus. Ihre komplexe Bedeutung, in der Wechselwirkung mit Körper und Mimik, Seele und Geist, hat sich bis heute erhalten. Durch die Hand wird Handlung manifest, handgreiflich, begreifbar, offenbar… Im Hinweisen des Lehrenden, beim Spielen eines Musikinstrumentes, in der Gebärde des Schauspielers, in der Behandlung des Heilenden, bei der Berührung im zwischenmenschlichen Kontakt; beim Schreiben, Zeichnen, Segnen; bei der Arbeit in den unterschiedlichsten Bereichen; beim Kochen, Essen und Trinken… Auch Geistseelisches manifestiert sich als innere Handlung und Gestaltung, z. B. in der Meditation, beim aktiven Imaginieren, bei der Ruminatio, beim Üben von Affirmationen…

Bei jedem guten Handwerker und Schauspieler ist der Unterschied deutlich erkennbar zwischen privatem Hantieren und professioneller Handarbeit. Die Klugheit und Sicherheit einer geübten, beseelten Hand ist wahrnehmbar und unübersehbar. Der Unterschied in der Prägnanz der Handgebärden zwischen einem Laiendarsteller und einem professionellen Schauspieler ist sicher oft schon aufgefallen.
Gebärden, wenn sie archetypisch und prägnant sind, haben starke kommunikative Kraft und magische Mimikry.

„… und es sind ja gerade deshalb menschliche Wesen auf dem Theater, um die der gemachten Gebärde innewohnende Kraft zum Vorschein zu bringen“ sagt Artaud¹.

Für unsere Ausdrucksarbeit im Schauspielunterricht und Coaching ist die archetypische Gebärdensprache vorbildlich. Sie ersetzt die flatterigen, stillosen und nichtssagenden Alltagszappeleien und löst  körperliche Fehlhaltungen. Sie sind ausdrucksstark, eindeutig und stilvoll und verfügen über ein hohes Potential an Ausdrucks-Rückwirkung. Wer die Kraft dieser alten, ausgereiften Gebärden nie erlebt hat, sollte sie unbedingt erfahren. Denn sie weiten unsere Seele, loten sie aus bis in unbekannte Tiefen hinein und aktivieren in ihren unentwickelten Bereichen gestaltende Schöpferkraft. Weil die archetypischen Gebärden aus dem Ursprung der Menschwerdung kommen, transzendieren sie das Privatpersönliche und das alltägliche Kleinklein. Tairow² beobachtete,  das der westliche Schauspieler nur noch zu Stottergesten fähig ist. Und Brecht³ kritisierte die zu kleinlichen, nervösen, psychologisierenden Gebärden der Schauspieler.
Der Umgang und die Erfahrung mit archetypischen Gebärden öffnen den Zugang zum künstlerisch-kultischen Spiel und Leben. Das ist ein großer Gewinn im Hinblick auf die Persönlichkeitsentfaltung. Denn armselig und stillos dagegen sind die üblichen privat-persönlichen Hand- und Körpergebärden. Wir üben mit Gebärden auf eine Weise, die sich in langer Erprobung und Erfahrung bewährt hat. Voraussetzung für ihre Wirksamkeit ist die intensive, achtsame Übungsweise. Unbewusstes chaotisches Toben und Ausagieren, Herumfuchteln und das drauflos Gestikulieren, Schlagen und Schreien, kann immer wieder mal eine befreiende Wirkung haben, doch bringt es im Hinblick auf Entwicklung und Gestaltung nicht weiter. Kostbare Substanz wird so verschleudert statt gestaltet.
 
In Gebärden stecken überraschend viele Eigenschaften oder Inhalte. Viele werden zigfach wiederholt damit ihre Qualität in Fleisch und Blut übergeht und ins Leben integriert werden kann. Für sich allein sind sie nicht immer eindeutig. Darum schöpfen wir aus ihnen eigene Assoziationen und individuelle Figuren, Situationen und eigene Sätze. Eindeutigen Aufschluss geben erst die sie begleitende Art des Atems, der Stimme, der Wörter, der Handlungen und der mit ihnen im Ausdruck korrespondierende Körper und die Mimik. Das Erheben der Hände über den Kopf kann unterschiedliche Empfindungen auslösen:
  • Schreck
  • Sich ergeben
  • Demut
  • Einhalt gebieten wollen
  • Hände hoch
  • Bis hierhin und nicht weiter!
  • Gebet …
Gebärden vermögen durch ihre Gestaltungskraft dem inneren, seelischgeistigen Leben sehr beredt Ausdruck zu geben. Es ist deutlich zu erkennen ob eine Gebärde gefüllt, leer oder aufgesetzt ist.

Beispiel

Die Art und Weise ihrer Gebärden wie eine alte italienische Wirtin einen Topf dampfender Nudeln, unter das nüchterne Neonlicht auf den roh gezimmerten Brettertisch setzt, und wie sie uns müden und hungrigen Gästen die Teller füllt, ließ in karger Umgebung das einfache Essen zu einem leuchtenden Festmahl werden.
Stimmungen, Erinnerungen, Gefühle, innere Bilder werden einerseits durch Gebärden aktiviert und andererseits auch gleichzeitig gestaltet. Was sich in unserer Innenwelt abspielt, ist oft in Worten nicht wieder zu geben. Durch Gebärden sind wir sehr wohl in der Lage, Inhalte unserer Tiefe beredt und stilvoll erscheinen zu lassen. Viele Gebärden mit denen wir im Unterricht experimentieren wirken wie Köder in die Tiefe hinein, wo sie Befindlichkeiten hervorlocken und nach außen bringen. Es kann nicht oft genug erwähnt werden: Gebärden evozieren und geben gleichzeitig Gestalt. Das sind kostbare Vorgänge von Integration. Ihre ewige Sprache verbindet sich manchmal mit der Sprache unseres eigenen, ewigen Wesens.
Und nicht selten wird darum der Umgang mit Gebärden und was durch sie an Ausdruck möglich ist, als mystisches Geschehen erlebt. Dann erleben wir uns in Überein-stimmung mit uns Selbst für Momente als Spieler und erleben uns als Schöpfer und Geschöpf unseres individuellen Lebens: homo ludens.

Beispiel

Vor einigen Jahren stellte sich Christoph im Schauspielunterricht vor mit den Worten:
„Mich überfällt manchmal ein Dämon. Der zwingt mich zum traurig- und melancholisch sein. Ich möchte ihn durch Schauspielen loswerden.“
Christoph ist dreiundzwanzig, von Beruf Krankenpfleger. Er hat von Anfang an Freude am Umgang mit Gebärden. Nach einigen Wochen stellt er sich in einem psychodramatischen Gebärdentanz im Umgang mit seinem melancholischen Dämon vor. Mit starker wütender Kraft zeigt er wie dieser ihn einfängt und beherrscht. Die Rückmeldungen aus der Gruppe zielen darauf, dass die Gebärden der Befreiung zu schwach, zu wenig ausgeprägt sind. Darum sollen sie außerhalb des Unterrichts, als Hausaufgabe, geübt werden. Christoph übt sie täglich.
  
Im nächsten Unterricht erzählt er:
„Manchmal habe ich erlebt, dass die Gebärden für mich gedacht haben und dass sie sich für mich weiterentwickelten. Mein Kopf hat die Führung dabei immer wieder restlos aufgeben können. Ein tolles Gefühl war das. Immer führten mich die Gebärden in das Erleben stark und groß zu sein. Ich erlebte mich während der ganzen Woche für mein Weiterkommen wie ein Krieger und dabei so leicht, heiter und so frei. Die Traurigkeit ist weggegangen. Das war das Tollste. Weil ich mich hier so oft als melancholischer Trauerkloß gezeigt habe, traue ich mich kaum es auszusprechen. Die Befreiungsgebärden haben mir in der letzten Woche ein Lustkampfspiel gebracht. Und dann, ganz bald schon, am Anfang dieser Übungen, bei der Gebärde mit den Handkanten, war der Einfall da: ich will eine Clowns-Ausbildung machen.“
Durch die Art und Weise wie Christoph seine Erfahrungen vorträgt, witzig und komisch, keiner hatte ihn bisher so erlebt, wurde er von den Mitspielern darin unterstützt seinen Einfall zu verwirklichen: Inzwischen ist er als Clown in dem Krankenhaus in dem er als Pfleger tätig ist, auch als Clown aktiv.
Ja! So ist es: was wir erlösen, erlöst auch uns.
Soviel für heute. Es gibt noch viel zu erzählen über Gebärden. Ich freue mich darauf, das auch noch eine Weile zu tun, freue mich auch über Rückmeldungen.
Also: Fortsetzung folgt!
Wolfgang Keuter. Düsseldorf im Mai 2016

¹ Antonin Artaud. * 1896 + 1948. Französischer Schauspieler. Dramatiker. Regisseur. Dichter. Zeichner. Theater-Theoretiker und –Visionär. Das Artaudsche Konzept des Theater der Grausamkeit wurde 1938 im Band: Das Theater und sein Double veröffentlicht, wohl sein wichtigstes Standartwerk.
² Alexander Jakowlewitsch Tairow. *1885 – +1950. Bedeutender russisch-sowjetischer Regisseur und Theatertheoretiker, begründete das Moskauer Kammertheater
³ Bert Brecht. *1898 – +1956. Einflussreicher deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts. Seine Werke wurden weltweit aufgeführt. Er hat das epische bzw. dialektische Theater begründet und umgesetzt.

Romeo und Julia – Workshop: „2 Schwestern“

Nun ist er endlich fertig, mein Erfahrungsbericht zum Romeo und Julia-Workshop am 23. und 24. April. Ich möchte erzählen wie ich es erlebt habe :

Nach meiner anfänglichen Enttäuschung, dass der Workshop wegen geringer Teilnahme vielleicht ausfallen müsse, habe ich mich umso mehr gefreut als ich erfuhr , dass Andrea L. auch gerne mitmachen möchte und Wolfgang sagte, er sei bereit nur mit uns beiden zu arbeiten. „Mich interessiert, dass ihr so unterschiedlich seid“ war seine Aussage. Ich dachte: “ Oh, jeh, das kann man wohl sagen – aber gib dir einen Stoß und lerne von und mit Andrea“. Ein Workshop nur für uns zwei – was für eine tolle Chance !

So ging es dann am Samstag los mit wunderbaren Aufwärmübungen: Tönen und langsamen Gesten, ganz bei sich sein und doch Kontakt aufnehmen und reagieren, Zeit lassen, Zug um Zug eben.

Dann die Aufforderung: „erfindet eine Szene!“ Mein Vorschlag: 2 Schwestern unterschiedlichen Alters, die ältere will aus dem desolaten Elternhaus ausziehen, die Jüngere ist darüber sehr, sehr traurig – fand schnell Akzeptanz. Andrea freute sich die Jüngere zu spielen und hatte eine wunderbare Idee. Ein großes langes Tuch sollte als Requisite dienen, die Bindung zwischen beiden verbildlichen und Spielzeug für die kleine Schwester sein.

Dann ab in die Kostüme. Schnell fanden sich eine blaue Glitzerlatzhose und Tigerschlappen für die Kleine und ein 70er-Jahre Outfit und schwarze Perücke für die Ältere.

Dann ging es in den schwarzen Raum zum Proben: wir wickelten uns in das Tuch, spielten Tauziehen oder verstecken ….Ich signalisierte: ich will hier weg, es ist schwer, du tust mit leid aber ich ersticke hier, ich möchte dich trösten, dir etwas geben (meinen grünen Armreif) als Andenken, Zeichen, dass ich an dich denke, ….Dazu Eigentext und Aufmerksamkeit auf das Handeln vor dem Sprechen. Es machte viel Spaß und forderte alle Konzentration. Andrea half mir durch ihre Ausdruckskraft und klare Angebote.

In der Nachbesprechung erläuterte Wolfgang die Strukturierung der Szene. Es sollte “ Fixpunkte“ geben und dazwischen Raum für Improvisation: 4 Züge anfängliches Spiel mit dem Tuch der kleinen Schwester, dann 4 Züge gemeinsames Spiel mit Seilspringen, Einwickeln und Tauziehen und dann die Abschiedsszene und zum Schluss das Spiel der kleinen Schwester ganz allein. Dies fand ich sehr hilfreich. Es gab Sicherheit und Halt und ich sah darin eine Chance, die Balance zu finden zwischen Spielleidenschaft und Methode.

Nach einem gemütlichen und genüsslichen Abschlussessen verabschiedeten wir uns erschöpft aber inspiriert und voll Freude auf den nächsten Tag.

Am Sonntag sollte ja unser „Drehtag“ sein, an dem Gianni uns professionell schminkt und die Szene auf Video aufnimmt. Ich war ziemlich aufgeregt am Sonntagmorgen, hatte Angst alles zu vermasseln. Zumal wir erfuhren, dass die Szene mit Originaltext Romeo und Julia gestaltet werden sollte. Ich war auf mehr Eigentext eingestellt. Zum Glück wurde dann Andrea zuerst geschminkt und ich hatte eine Stunde Einzelarbeit mit Wolfgang. Das war eine wunderbare Einstimmung mit Übungen zum Ausdrücken des Romeo-Textes und mit Übungen zum emotionalen und körperlichen Ausdruck (extreme Nervosität, Andacht, Hinken und Tanz auf den Zehenspitzen). Ich bekam genug positives Feedback, so dass ich mit etwas mehr Ruhe und Zuversicht ausgestattet an den Schminkplatz gehen konnte.

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Von Gianni geschminkt zu werden war dann eine wunderbare Erfahrung. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Er erklärte alles, vermittelte Ruhe und man konnte während dessen plaudern. Vom Ergebnis nach 45 Minuten war ich völlig fasziniert. Ich habe später Handyfotos davon an Familie und Freunde verschickt und mich hätte niemand erkannt, wenn er es nicht gewusst hätte.

Und dann ging es auf die Bühne. Ich war voller Lampenfieber und davon eingenommen alles zu behalten und richtig zu machen. Das Tuch erforderte viel Aufmerksamkeit und ich kam ganz schön ins Schleudern, vergaß ganz die Anweisungen zur Bühnenbegrenzung von Gianni. Andrea half mir durch ihre Angebote. Sie hat es so toll gemacht! Am Ende war das Gefühl: „es gab Höhen und Tiefen“. Stimmt, vor lauter Arbeit mit der Requisite und dem Wunsch meine kleine Schwester zu trösten hatte ich ganz vergessen, dass ich ja gehen wollte. Dies kam wirklich zu kurz. Ich äußerte den Wunsch, die Szene nochmal zu spielen um nicht mit so viel Unzufriedenheit zurück zu bleiben und noch eine Chance zu bekommen. Wolfgang machte dann den Vorschlag die Szene als Apartmentübung zu spielen. Das erschreckte mich erst einmal, da ich damit im Training bisher nicht so gut zurecht kam und dachte, mir würde der direkte Kontakt zur kleinen Schwester fehlen. Ich verdrückte einige Tränen der Verzweiflung und gab mir dann einen Stoß: „Versuch es, vertrau dir und Andrea und denk nicht soviel“. Und siehe da, das Spiel begann zu fließen, ich genoss die Langsamkeit, das Spiel mit der Sprache (trotz der Texthänger ….die hab ich überspielt oder sie halfen mir vielleicht sogar langsam zu bleiben). Mein innerer Beobachter hat mich während dessen nicht verlassen aber zum Glück auch nicht blockiert. Als die Szene geschafft war, gab es Applaus von Gianni und Wolfgang und ich bekam die Rückmeldung: “ ich hab dich noch nie so durchlässig erlebt“. Das hat mich gefreut! Und es gibt mir jetzt die Zuversicht meine Art des Ausdrucks finden zu können, – auch wenn die so ganz anders ist als bei den anderen. „Es lebe der Unterschied“.

Der Workshop ging dann mit Imbiss und Abschlussrunde zu ende. Ich habe sehr gerne mit Andrea gespielt und war begeistert und berührt von ihrer Ausdruckskraft von Körper und Mimik. Und ich war sehr sehr dankbar über die individuelle, einfühlsame Betreuung und Förderung durch Wolfgang und Gianni. Toll auch, wie Gianni es geschafft hat, dass man das Kameraauge ganz vergisst, nicht vom Filmen oder fotografieren irritiert ist und dass er so tolle Bilder macht. Ich bin sehr gespannt auf den Film.

Kurzum, danke liebe Andrea, lieber Wolfgang und lieber Gianni für diese Erfahrung, die mich körperlich und seelisch bewegt hat und mich noch immer beschäftigt.

Ich freue mich auf weitere bewegende Momente im Schauspieltraining mit euch.

Liebe Grüße

Sigrid

Romeo und Julia

Die szenischen Übungen sind nun alle im Kasten. Wir sind ein gutes Stück weiter gekommen mit der Spielweise:

Slow Acting

Wir gratulieren zur Treue an Spiel und Übung. Mit Marc schneide ich die drei Szenen aus anderen Blickwinkeln zu einem Film zusammen.

Die drei Assoziationen zur Szene Romeo und Julia die sich durchgestaltet haben:

  • Zwei Ordensfrauen
    Andrea und Claudia

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

  • Julia und Romeo als Geist
    Claudia und Ingo

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  • Die Schwestern
    Sigrid und Andrea

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Hier gibt’s noch ein wenig mehr zu erfahren über den Schauspielunterricht mit dieser Szene:

http://schau-spiel-blog.de/romeo-und-julia-expedition-ist-zu-ende

Das Geführte Zeichnen – Ursymbol: Der Kreis

Der Kreis Ist Anfang und Ende, Vollmond und Schwangerschaft, er symbolisiert das Ungeboren Sein und die Vollkommenheit.

Der Kreis umgibt die Welt, enthält die Leere und das Nichts, er symbolisiert das Aufgehoben sein, das Eingeschlossen sein, das darin Untergehen.

Er ist Uroboros, die sich in den Schwanz beißende Kreisschlange, ist Symbol der Schöpfung und des seelischen Anfangszustandes. Der Kreis ist das Große Runde, die weibliche Gottheit, Diskus des göttlichen Vishnu.

Er symbolisiert das menschliche Da-Sein und die große Erkenntnis von der Welt im ewigen Kreislauf, er ist der magische Ring, das rollende Rad der Welten, das Alpha und das Omega.

Der Kreis symbolisiert die Ewigkeit als Welten-Ei, er ist Kranz des Lebens und Schlinge des Todes und immer wieder überall in der Welt, Symbol der Vollkommenheit.

Zeichenwerkstatt Samstag 30. April 2016

Eine gute, schöpferische und persönliche Atmosphäre am Samstag in der regelmäßig stattfindenden Zeichenwerkstatt.

  • Ursymbol: Der Kreis
    1. Einführende und vorbereitenden Übungen. Die Ergebnisse wurden anschließend verkörpert.

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2. Zigfach wiederholtes, meditatives Zeichnen des Kreises als reine Gebärde, mit
geschlossenen Augen:

  • Umkreisung der Mitte
  • Integration von Peripherie und Mitte

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Dem Zeichnen folgte wieder eine Phase der Anschauung. Die Ergebnisse machten die individuellen inneren und äußeren Phasen der Integration, schwarz auf weiss, deutlich. Ich bedanke mich sehr bei den Teilnehmern die uns ihre Zeichnungen zur Veröffentlichung frei gegeben haben.

Wolfgang Keuter

Weitere Infos zum Geführten Zeichen auf der Website.

  1. Mai 2016